ZVEH und die Initiative ELEKTRO+ warnen: Wer bei der Elektroinstallation spart, riskiert Sicherheit und teure Nachrüstungen

(Bildquelle: @FV EIT BW)
ZVEH und die Initiative ELEKTRO+ warnen: Wer bei der Elektroinstallation spart, riskiert Sicherheit und teure Nachrüstungen
Eigentlich sollte es nur eine Formalität sein. Bevor in einem Einfamilienhaus eine neue Wärmepumpe angeschlossen werden sollte, ließ die Eigentümerin ihre Elektroinstallation von einem Fachbetrieb prüfen, in Form eines sogenannten E-CHECK. Was die Prüfung ergab, überraschte selbst den erfahrenen Elektromeister: Am Zähler- und Verteilerfeld fehlte an mehreren Stellen ein ausreichender Berührungsschutz, einzelne Klemmverbindungen mussten nachgearbeitet werden, Abdeckungen waren beschädigt oder fehlten ganz, und auch einzelne Leitungen zeigten Schäden. Installiert hatte die Anlage einst ein Familienangehöriger, vor Jahren und in bester Absicht. Dass dabei ein Sicherheitsrisiko entstanden war, war den Bewohnern nicht bewusst.
So ungewöhnlich ist dieser Fall nicht. Nach Einschätzung des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) verstecken sich in vielen deutschen Haushalten ähnliche Risiken, häufig über Jahre unbemerkt. „Oft wird erst nach vielen Jahren, wenn Hausbesitzer neue Technik einbauen möchten, ein Elektrofachbetrieb ins Haus geholt“, berichtet Adrian Stenzel, Elektromeister und Geschäftsführer der hns Elektrotechnik GmbH in Rheinstetten. „Dabei begegnen wir nicht selten Elektroanlagen, die über 35 Jahre alt sind oder Eigenleistungen, die zu deutlichen Mängeln geführt haben.“ Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der normgerechten Elektroprüfung macht der ZVEH mit der Kampagne „E-CHECK statt E-Schock“ verstärkt auf solche Schwachstellen aufmerksam.
Neue Technik stellt alte Installationen auf die Probe
Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher oder Wallboxen benötigen in der Regel mehr Leistung, als viele ältere Installationen ursprünglich liefern sollten. Gerade deshalb lohnt sich ein Blick auf die Elektrik, bevor die neue Technik einzieht, und nicht erst danach. Wie im geschilderten Fall zeigt sich das tatsächliche Ausmaß möglicher Schwachstellen an der Elektroanlage häufig erst dann, wenn ein Fachbetrieb genauer hinschaut.
Typische Mängel in privaten Elektroanlagen
Bei Prüfungen tauchen, wie im beschriebenen Fall, immer wieder dieselben Problemfelder auf. Häufig fehlt ein moderner Schutzleiter oder ein Fehlerstromschutzschalter, der sogenannte FI-Schalter, der den Strom sofort unterbricht, sobald dieser auf ungewöhnlichem Weg abfließt, und einen Menschen gefährdet. Ebenso oft finden sich gealterte, spröde gewordene Kabelisolierungen, gelockerte Klemmverbindungen oder fehlende Abdeckungen, wie sie auch im aktuellen Fall auffielen. Bei neu errichteten Anlagen sind sowohl der FI-Schalter als auch ein Überspannungsschutz gegen Blitzeinschlag oder Schaltspitzen mittlerweile Pflicht, bei älteren Installationen fehlen diese häufig.
Sparen an der falschen Stelle
Dass Elektroarbeiten in Eigenregie ausgeführt werden, um Kosten zu sparen, kommt in deutschen Haushalten offenbar öfter vor, als man annehmen würde. Problematisch wird das vor allem dann, wenn im Schadensfall die Versicherung nach dem fachgerechten Zustand der Anlage fragt. Trotz des sanierungsbedürftigen Zustands musste die betroffene Anlage im geschilderten Fall nicht sofort abgeschaltet werden. „Die Anlage kann auch bei einzelnen Mängeln meist weiterbetrieben werden“, so Stenzel. „Doch die erkannten Punkte sollten zeitnah behoben werden.“ Solange die Anlage sicher bleibt, greift in der Regel der Bestandsschutz. Erst wesentliche Änderungen, etwa der Einbau einer Wärmepumpe, machen eine Neubewertung nötig, so wie im aktuellen Fall.
Was genau prüft ein E-CHECK?
Der E-CHECK ist die normengerechte Prüfung der elektrischen Anlage und aller Geräte im Haus nach den geltenden VDE-Bestimmungen. Fällt das Ergebnis einwandfrei aus, bestätigt der Fachbetrieb dies mit einer Prüfplakette, andernfalls hält ein Prüfprotokoll die gefundenen Mängel fest, so wie es auch im beschriebenen Fall geschah. Wer zusätzlich wissen möchte, ob einzelne Kabel überlastet oder Zählerschrank und Hausinstallation für neue Verbraucher geeignet sind, kann eine Thermografie oder eine Netzanalyse dazubuchen. „Gerade im Hinblick auf den Einbau neuer Technik wie Smart-Home-Ausstattung, Photovoltaik oder Wärmepumpe ist es sinnvoll, die elektrische Anlage vorher in einen sauberen und zukunftsfähigen Zustand zu bringen“, betont Stenzel.
Wo Hausbesitzer Unterstützung finden
Über die Fachbetriebssuche des ZVEH unter www.elektrobetrieb-finden.de lässt sich ein passender Innungsbetrieb in der Nähe finden. Wer sich vorab informieren möchte, findet bei der Initiative ELEKTRO+ unter www.elektro-plus.com kostenlose Ratgeber rund um die moderne, sichere Elektroinstallation.
Häufige Fragen
Wie oft sollte geprüft werden? Im privaten Bereich empfiehlt sich eine Prüfung etwa alle vier Jahre, außerdem vor größeren Umbauten oder dem Einbau neuer Großverbraucher wie Wärmepumpe, Photovoltaikanlage oder Wallbox.
Was passiert, wenn Mängel gefunden werden? Die Anlage kann meist weiterlaufen, sofern keine akute Gefährdung vorliegt. Die gefundenen Punkte sollten dann aber zeitnah behoben werden, wie es auch im hier beschriebenen Fall empfohlen wurde.
Wer darf prüfen? Ausschließlich qualifizierte Innungsfachbetriebe.
Was bringt das Protokoll im Schadensfall? Es dokumentiert gegenüber der Versicherung den Zustand der Anlage zum Zeitpunkt der Prüfung.
Die Standards der Elektroausstattung in Wohngebäuden zu verbessern und Bauherr:innen und Modernisierer:innen herstellerübergreifend und markenneutral über die Vorteile einer modernen, zukunftssicheren Elektroinstallation aufzuklären, ist Anliegen der Initiative ELEKTRO+. Die Initiative vereint die Fachkompetenz führender Markenhersteller und Verbände der Elektrobranche. Weitere Informationen unter www.elektro-plus.com